Einführung Golflexikon: Besondere SpielformenEine Übersicht über mögliche Spielarten auf dem Golfplatz
Golf kann so einfach sein: Jeder Schlag, der zum Einlochen nicht benötigt wird,
wird dem Platz als Gegner abgetrotzt. Es geht aber auch geselliger - und komplizierter.
Das Golfspiel zeigt sich – vergleichbar mit dem Leben, wie man so hört – von zwei Seiten: Arbeit und Vergnügen, Pflicht und Kür, Kampfgeist und Spielfreude. Wenn sich der eifrige Golf-Trainee im Herbst alleine über die nassen, windgepeitschten Fairways schlägt, ist das ein aufs Wesentliche reduzierter Kampf gegen verschworene Naturgewalten wie das Wetter, ungehorsame Schläger und schließlich den Platz. Nicht umsonst spricht man von Bunker-Steilwänden und Binnenmeer-ähnlichen Wasserhindernissen, die die Grüns gegen jegliche Annäherung »verteidigen«. Anders hingegen, wenn sich Golfer an sommerlichen Wochenenden zwischen ein paar Cocktails treffen, um ihr neues Golf-Equipment vorzuführen und nebenbei eine freundschaftliche Runde auf dem einen oder anderen Loch zu spielen. Beides gehört zum Golf, doch während beim Training nur ein Golf-Pro helfen kann, lässt sich bei der geselligen Seite des Golfspiels auf folgende Spielformen zurückgreifen. Grundlagen und Flight-ZusammenstellungGolf ist eine der wenigen Sportarten, in der sich neben den internationalen Golf-Pros auch ganz unterschiedlich spielstarke und erfahrene Spieler im regulären Wettkampf messen können. Das ist zum Einen durch das persönliche Handicap gesichert, das unerfahreneren Spielern mehr Schläge zugesteht als etwa Single-Handicap-Besitzern. Doch besonders Spielformen wie Dreier, Vierer, Bestball und Artverwandten eignen sich für die Mischung unterschiedlicher Handicaps, da sich Schwächen und Stärken mit denen der Mitspieler ergänzen. Deshalb ist es oft sinnvoll, die Parteien nicht nur nach Sympathien, sondern vielleicht auch nach Zusammenstellungs-Kriterien wie höchstes und niedrigstes Handicap oder längster und kürzester Drive in einem Flight zu gruppieren. Die Tagesform eines jeden Spielers wird ihr Übriges tun. Für die vielfältigen Formen des gemeinschaftlichen Golfspiels gilt grundsätzlich: Der Ball sollte möglichst schnell ins Loch. Wer dabei wie oft welchen Ball spielt, ist nur teilweise durch das offizielle Regelwerk des Deutschen Golf Verbandes (DGV) festgelegt. Scramble & Texas ScrambleEine traditionelle Spielform zwischen mehreren Parteien, die jeweils mindestens zwei bis vier Mitspieler beinhalten. Dabei vollführt jeder Spieler einen Abschlag, und die Position des besser liegenden Drives (nicht unbedingt des längeren) wird mit einer Münze oder Ähnlichem markiert. Von dieser Position werden erneut nacheinander alle zwei, drei oder vier Bälle der Mitspieler einer Partei geschlagen. Auch von diesen Schlägen wird wieder der beste ausgewählt und von seiner Lage weitergespielt, bis sich der Ball schließlich ins Loch verfügt. Da immer nur der beste Schlag einer Partei gezählt wird – egal wie viele Kandidaten an seiner sachdienlichen Platzierung beteiligt sind – werden beim Scramble regelmäßig ansehnliche Scores erziehlt, die nicht viel über Par liegen sollten. Damit jeder Spieler die Möglichkeit bekommt, mit schönen Schlägen und gezielten Putts zum Erfolg beizutragen, kann eine Reihenfolge festgelegt werden, bei der die Spieler mit dem höheren Handicap zuerst schlagen. Weiterhin sieht eine erweiterte Variante namens Texas Scramble vor, dass von jedem Mitspieler mindestens vier Abschläge auserwählt werden müssen – um die Gruppendynamik etwas zu befördern. Scramble-Flights werden gerne bei Privatrunden oder Turnieren gespielt, bei denen nicht die persönliche Leistung im Vordergrund steht. Klassischer Vierer & Chapman-ViererBeim klassischen Vierer wird ein Ball immer abwechselnd von den 2 Mitgliedern einer der beiden Partei geschlagen. Sowohl innerhalb einer Spielbahn als auch von Abschlag zu Abschlag wechselt der zuerst schlagende Spieler, der Ball bleibt derselbe – sofern er nicht im Wald verschwindet, was den mentalen Druck im Team beträchtlich erhöhen kann. Bei dieser Spielform ist man sehr von den Leistungen seiner Mitspieler abhängig, sowohl Stärken als auch Schwächen können sich unter Umständen potenzieren. Eine verbreitete Variante ist der klassische Vierer mit Auswahldrive, bei der jeder der zwei Mitspieler abschlägt und der besser positionierte Drive dann abwechselnd weiter gespielt wird. Noch komplizierter will es der Chapman-Vierer: Beide schlagen ab, spielen als zweiten Schlag den Ball des Partners weiter und entscheiden danach, welchen Ball sie anschließend abwechselnd als Vierer weiterspielen wollen – trotzdem muss der Ball irgendwann ins Loch, gerne auch mit wenigen Schlägen. BestballNeben Scramble und Vierer ist Bestball eine der weiter verbreiteten Turnier-Varianten. Wieder treten Parteien von zwei bis vier Mitspielern gegeneinander an, wobei jeder seinen eigenen Ball wie im normalen Zählspiel schlägt. Allerdings wird nach jedem Loch nur der niedrigste, beste Score der Partei notiert, der dann wiederum am Ende der Runde mit den anderen Loch-Ergebnissen zum Enderbgebnis summiert wird. Damit auch Golfer mit hohem Handicap in Parteien von mehr als zwei Spielern ihren Beitrag leisten können, kann auch das Nettoergebnis einer Stableford-Wertung herangezogen werden. Weitere Variationen sind das Vierball-Lochspiel zwischen 2-Spieler-Parteien sowie der Wettkampf eines guten Spielers gegen eine Partei aus zwei unerfahreneren Golfern. Übrigens können, wie schon beim Vierer angedeutet, unterschiedliche Spielformen kombiniert werden, mit oder ohne Berücksichtigung des persönlichen Handicaps. Allerdings sollten es Golf-Neulinge mit den Regelzusätzen nicht übertreiben, damit die Schläger des Flights am 19. Loch nicht entknotet werden müssen. Weiterhin sollten die Offiziellen Golfregeln des DGV Beachtung finden: »Finanzielle Anreize im Amateurgolf durch bestimmte Formen von Wetten oder Glücksspiel können den Missbrauch der Regeln des Spiels [...] fördern, was dem Ruf des Spiels abträglich wäre.« Unbestimmte Formen von Wetten oder Glücksspiel im Golf sind also erlaubt. Viel Spaß auf dem Platz.
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